129 junge Chilenen erleben das Land ihrer Vorfahren

Das bereits tradionelle 14 tätige Einführungsseminar in der niederbayerischen Gemeinde Neureichenau war auch heuer der Auftakt des deutsch-chilenischen Schüleraustauschs, den der VDA seit nunmehr elf Jahren - unabhängig von der politischen Ausrichtung der jeweiligen Regierung in Chile - durchführt. Mit ständig wachsendem Erfolg: In diesem Jahr konnten bereits 129 junge Chilenen zwischen 15 und 19 Jahren für rund ein Vierteljahr in die Bundesrepublik Deutschland kommen, um das Land ihrer Vorfahren kennenzulernen, ihren schulischen Horizont zu erweitern und nicht zuletzt einen praktischen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.

Die vom VDA finanzierte und organisierte Aktion hat an den deutschen Schulen in Chile so großen Anklang gefunden, dass die Zahl der Intesessenten - für heuer waren es rund 230 - die zur Verfügung stehenden Plätze immer mehr übersteigt. Und Gerd Sonnenberg, der den Schüleraustausch von seiten des VDA betreut, soll - wie von den Gästen berichtet wird - in Chile schon einen fast legendären Ruf genießen...

Das Einführungsseminar in der östlichsten Gemeinde Deutschlands - unweit des Dreiländerecks Deutschland-Österreich-Tschechoslowakei hat eine ganza Reihe von Aufgaben zu erfüllen: Überbrükkung nicht nur des erheblichen Zeitunterschiedes zwischen Südamerika und Europa, sondern auch des Klimawechsels zwischen dem chilenischer Hochsommer und dem tiefen Winter in der Bundesrepublik Deutschland. Und dann sollen die Gäste ja auch auf das Leben bei den deutschen Familien vorbereitet werden, wozu viele Dinge gehören, die anders funktionieren als zuhause: Deutsche Währung, Post, Telefon und und und. Daneben hatte der VDA für seine jungen Gäste auch ein umfangreiches Ausflugsprogramm arrangiert: Man fuhr nach Pasau und Salzburg, zu den Glashütten in Zwiesel und Frauenau, nach Aigen-Schlägl, an die Grenze bei Philippsreuth und ins Hallenwellenbad in Altreichenau. Einmal mehr unbestrittener Höhepunkt: der sogenannte Folklore-Abend, zu dem sich die Gäste aus Südamerika mit der einheimischen Jugend in der Hochwaldhalle trafen.

Schuhplattler für die Chilenen ein Höhepunkt

Neureichenaus Bürgermeister Alfons Hellauer, der dazu neben den VDA-Veratwortlichen auch Dekan Rudolf Braun und mehrere Mitglieder des Gemeinderates willkommen heißen konnte, bezeichnete Chile als das "Land seiner Träume". Er wies darauf hin, daß die politischen Verhätnisse in dem südamerikanischen Staat in der veröffentlichen Meinung der Bundesrepublik Deutschland vielfach verfälscht dargestellt würden.

VDA-Vorstandvorsitzender Hans-Joachim Berendes dankte Bürgermeister Hellauer und der Gemeinde Neureichenau für die Gastfreudschaft. Er stellte fest, dass die Chilenen als Botschafter ihres Landes in Deutschland und nach ihrer Rückkehr auch als Botschafter Deutschlands in Chile wirkten. Der Schüleraustausch stelle deshalb ein echtes Stück Völkerverständigung dar.

Ganz im Sinne einer deutsch-chilenischen Verständigung stand dann auch das weitere Programm dieses gelungenen Abends, das von der Tanzkapelle Hofmann aus Wegscheidt und von mehreren Gruppen des Trachtenvereins Breitenberg bestritten wurde. Und natürlich vor allem auch von den jungen Gästen aus Chile, die außer ihrer Nationalhymne mehrere chilenische Volkslieder zum Programm beisteuerten. Besonders angetan hatte es den Südamerikanern die Schuhplattler-Gruppe des Trachtenvereins - am Schluß wurde gemeinsam geübt. hatten sich chilenische Folklore und bayerisches Brachtum zu einem fröhlich ausgelassenen Treiben verschmolzen.

In dem Gespräch mit den Gästen stellte sich sehr schnell heraus, daß die jungen Chilenen fast ausnahmslos über politische und wirtschaftliche Verhältnisse in Deutschland seht gut Bescheid wissen. Diese Kenntnisse wurden ihnen meist von älteren Geschwistern oder Freunden vermittelt, die im Rahmen des Schüleraustausches bereits in früheren Jahren einmal Gast des VDA waren.

Marisa Ernst aus Concepción zum Beispiel wußte soger über ihr vorübergehendes Zuhause am Scheidenholzweg  65 im Hamburger Vorort Neugraben schon genau Bescheidt, denn vor zwei Jahren war bereits ihre ältere Schwester bei der Familie Hein zu Gast. Mehr noch: Dieser Besuch hatte damals dem Ehepaar Hein den entscheidenden Anstoß gegeben, sich in Chile um die Adoption eines Kindes zu bemühen. Sebastian und Irena Monika (Gerda Hein brachte gleich zwei Kinder aus Chile mit) stammen aus einem Pflegeheim in der Heimatstadt von Marisa, die sich mit des beiden Kleinen natürlich sofort angefreundet hat

Zum Abschluß in der Lüneburger Heide

Wie die anderen chilenischen Gäste geht auch Marisa täglich zur Schule. Da sie hervorragend deutsch spricht, erzählte sie ihren Mitschülerinnen bereits in einem ausführlichen Referat von ihrer Heimat Chile.

Den Abschluß des diejährigen Schüleraustausches bildet ein 14tätiger gemeinsamer Aufenthalt in der Lüneburger Heide.

Globus, Heft 1/1980

 











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