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"Andere Länder andere Sitten" sagte mir meine Familie und verabschiedete mich am Terminal 2 des Hamburger Flughafen, ich schaute noch mal in all ihre Augen, drehte mich um und begann die wohl längste Reise meines Lebens. Und was für eine Reise es werden sollte. Eine Reise in ein so anderes Land mit seinen so ganz anderen Menschen mit ihrem so völlig anderen Leben! Und damit ist diesmal nicht das entspannende Urlaubsleben mit der gewohnten Familie gemeint, nein diesmal ist ein komplett neues Leben gemeint, mit allem was dazu gehört, neue Familie, neue Schule, neue Freunde, neu...einfach alles. Und bei all diesen Gedanken wird jeder Schritt weg von dem gewohnten Heim schwieriger. Jede Minute im Flugzeug, (33 Std lagen vor mir) weg von den Menschen, die man so sehr liebt, wird aufregender, denn man weiß: Ein Jahr ohne jene, die man in den ersten Jahre seines Lebens kennen und lieben gelernt hat.
Aber dann, wenn man zum ersten Mal seine "neuen" Eltern in die Arme schließt, verfliegen diese Gedanken, sie werden verdrängt von all dem Neuen, was auf einen eindringt: Das neue Zimmer in dem neuen Haus in der neuen Straße mit den neuen Nachbarn, in der neien Stadt und die größte Veränderung: die neue Sprache! Und was es heißt, das wenige Erlente nicht nur 3 Stunden die Woche im Unterricht zu verwenden, nein es tagtäglich 365 Tage ein Jahr lang zu verwenden, einfach "ALLES" in dieser Sprache zu tun, muss man selbst erlebt haben. Keine Beschreibung der Welt kann ein solches Erlebnis in Worte fassen.
Als die ersten Wochen vorüber waren, war ich so angekommen, dass ich nie mehr von diesem Ort weg wollte. die Menschen haben mich mit ihrer Freundlichkeit, ihrer Warmherzigkeit so umgehauen, dass ich mich nach einigen Wochen schon zu Hause fühlte. Auch die ewige Sonne und das Meer vor der Tür machten einen so bleibenden Eindruck, dass ich das regnerische Hamburg wenig vermisste.
Mit dem Thema neue Freunde zu finden, hat man in einem südamerikanischen Land eher wenig Probleme. Mein erster Schultag hat mir zum Beispiel schlicht weg die Sprache verschlagen. In der ersten großen Pause fand ich mich innerhalb der ersten zwei, drei Minuten in der Mitte eines größeren Kreises, der - wie mir vorkam - die ganze Schule beinhaltete. Die erste Reihe überflutete mich mit Fragen nach Alter, Herkunft und natürlich dem Namen. Das letztere verfolgte mich noch das ganze Jahr. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich im ganzen Jahr ca. zwei Menschen getroffen, die meinen Namen auf Anhieb richtig aussprechen konnten. Bei allen, die mich beim Namen nennen wollten, blieb es bei irgendetwas zwischen Gott und Topf. Um es den Chilenen ein wenig einfacher zu machen, habe ich mich nur noch "el Aleman" (der Deutsche) nennen lassen.
Das längste Land der Erde (alle Klimazonen der Erde sind hier in einem einzigen Land vertreten) ist nicht nur von der Natur her grandios, sondern auch die Städte und Menschen zeugen von einer Vielseitigkeit, die sehr einzigartig ist. Wenn man sich zum Beispiel die Stadt Arica (mein Heimatort) anschaut: Auf der einen Seite eine kleine ruhige Hafenstadt, die schon vom Rest des Landes als sterbende Stadt bezeichnet wird, da sie kaum wirtschaftliche Dynamik aufweist, andererseits aber durch ihre frische Meeresluft, die wunderschönen Strände und die, für die sonst so "wüstige" Gegend unglaublich grünen Täler, ein doch sehr beliebter Touristen-Ort ist. Dem gegenüber steht Santiago de Chile, eine Megastadt des 21 Jahrhunderts, mit knapp 7 Millionen Einwohnern (Chile insgesamt: 15 Mio.) und stetig steigend. In Planung steht das höchste Hochhaus Südamerikas und auch jetzt schon ist die Stadt von Hochhäusern geprägt. Diese Stadt ist voller Hektik in dem doch sonst so ruhigen Land.
Ich kann sagen, dass das Auslandsjahr in Chile die schönste und prägenste Erfahrung meines Lebens ist und ich kann nur jedem, der die Möglichkeit hat, in ein so schönes und vielseitiges Land wie Chile zu reisen, empfehlen, es auch zu tun. Die freundlichen und warmherzigen Chilenen werden Euch mit offenen Armen empfangen, darüber verbürge ich mich.
Götz Appel-Jarck, Hamburg den 16.08.2006
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