VDA-Austauschschülerin aus Chile berichtet über ihre Erlebnisse in Deutschland
Marianne Andrea Veyl Neumann hat einen Namen, der deutsch klingt, schreibt Mark Adel in einem Bericht für die „Waldeckische Landeszeitung" Korbach. Die 16jährige lebt in Chile, sie hat ihren Namen von deutschen Vorfahren. Derzeit wohnt sie im Frankenberger Stadtteil Röddenau. Sie ist Gastschülerin und besucht die neunte Klasse des Frankenberger Gymnasiums Eder-talschule. In einem Monat fliegt sie in ihre Heimat zurück.
Marianne Andrea ist in der Stadt Puerto Varas zu Hause und besucht dort eine deutsche Schule. Das bedeutet, daß sie Deutsch als erste Fremdsprache lernt - seit der ersten Klasse. „Englisch lernt man erst ab dem fünften Schuljahr." Doch erst seit ihrem Besuch in Deutschland hat sie die Sprache richtig gelernt. Auf das Wörterbuch kann sie mittlerweile verzichten, die Gespräche mit Gastschwester Johanna Schneider und ihrer Familie klappen prima. „Wir haben etwas über deutsche Kultur gelernt", erzählt sie. „Im Moment ist bei uns in Chile Sommer, wir haben Ferien." Im März, wenn sie wieder in ihrer Heimat ist, besucht sie die elfte Klasse. „Das Schulsystem bei uns ist anders", berichtet Marianne Andrea. Nach zwölf Jahren müssen die chilenischen Schüler eine einheitliche Abschlußprüfung absolvieren. „Es gibt keine unterschiedlichen Schulformen wie Gymnasium oder Realschule." Außerdem haben sie länger Unterricht: Zehn Stunden am Tag sind keine Seltenheit. „Wir haben viele Prüfungen und müssen viel lernen." Die beste Note, die chilenische Schüler bekommen, ist - anders als in Deutschland - eine „Sieben".
Die jungen Chilenen tragen Schuluniformen, die je nach Schule und Alter unterschiedlich sind. Marianne Andrea trägt ab März als Schülerin der elften Klasseeine schwarze Hose, ein weißes T-Shirt und einen roten Pullover. „Ich finde das gut", urteilt die junge Chilenin. Über die Schule denkt Marianne Andrea wie wohl die meisten Schüler überall auf der Welt: „Am schönsten sind die Pausen".
Wenn chilenische Jugendliche nicht in der Schule sind, treffen sie sich mit Freunden oder gehen in die Disco. Den Führerschein können sie mit 18 machen. „Aber auch 17jährige dürfen Auto fahren, wenn ein Beifahrer daneben sitzt, der seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein hat."
Der Leiter der Schule in Chile ist vielen Menschen vor allem im Frankenberger Land bekannt: Klaus Holzmann war bis vor etwa zwei Jahren Rektor der Röddenauer Mittelpunktschule und Vorsitzender des Sportkreises Frankenberg. Daß Marianne Andrea aber ausgerechnet nach Röddenau in eine Gastfamilie gekommen war, ist Zufall. 142 chilenische Austauschschüler sind derzeit in ganz Deutschland untergebracht. Einige Sitten und Gebräuche sind in Chile anders als in Deutschland. „Wir sagen Hallo oder Tschüss mit einem Kuss", erzählt Marianne Andrea von der chilenischen Begrüßung. Zwar sind viele Chilenen wie sie Nachfahren deutscher Einwanderer: „Aber die Menschen sind schon anders", erzählt sie. Viel weiß man in Chile über Deutschland. „Es heißt oft, Deutsche seine kaltherzig", so die Schülerin. Doch die Erfahrung hat sie nicht gemacht: „Ich glaube, die Deutschen sind offen." Marianne Andrea ist überall gut aufgenommen worden und hat viele neue Freunde gefunden. Und noch eine Meinung herrscht in Chile über die Bundesrepublik vor: „Es heißt, die Deutschen würden nicht duschen", berichtet die Schülerin. Sie hat sich vom Gegenteil überzeugen lassen.
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