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Deutsche Austauschschüler berichten über ihre Eindrücke vom Gegenaustausch
Bei meinem Abflug vom Frankfurter Flughafen traf ich auf ca. 100 chilenische Jugendliche - VDA-Austaschschüler -, die gerade die Heimreise von einem Deutschlandaufenthalt antraten. Sie sollten alle mit mir im Flugzeug sitzen. Als ich sie so untereinander reden hörte, wurde mir sehr schnell klar, daß mir meine 15 Doppelstunden Spanisch an der Volkshochschule in Chile wohl ziemlich wenig helfen würden, aber jetzt gab's kein Zurück mehr.
Nach 14 Stunden Flug hat mich meine Gastfamilie dann am Flughafen von Santiago de Chile herzlich in Empfang genommen und ist mit mir nach San Felipe gefahren, das für die nächsten Monate meine Heimat sein sollte. San Felipe liegt im Norden von Santiago in der V. Region im Valle Central. Bei meiner Ankunft waren hier gerade Sommerferien. So hatte ich noch fünf Tage Zeit, mich einzugewöhnen.
Dann kam der erste Schultag. Gleich als ich nach der Anfangszeremonie in die Klasse kam, brach ein ganzer Schwall Fragen über mich herein. Ich hätte nicht einmal alle beantworten können, hätte ich perfekt Kastellanisch sprechen können. So aber verstand ich eigentlich nur, daß man mir hier unheimlich offen entgegenkam, wesentlich offener und herzlicher als ich es je vorher erlebt hatte. Ich wurde von Anfang an auf Parties eingeladen, zum Eisessen, Shoppen, ins Kino mitgenommen, so als ob ich schon immer dazugehört hätte. So konnte ich problemlos Anschluß finden und verstand mich mit meinen Mitschülern trotz meiner Sprachschwierigkeiten von Anfang an sehr gut.
Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist hier viel zwangsloser, freundschaftlicher und unkomplizierter als bei uns in Deutschland. Während der Oster-feiertage habe ich zum Beispiel mit ein paar Mitschülern und dem Geschichtslehrer eine mehrtägige Tour (auf der Ladefläche eines Kleinlasters) in die Kordilleren unternommen. Wir waren campen, wandern, die atemberaubende Landschaft genießen und haben so ganz nebenbei an einer Ausgrabungsstätte auch so einiges über die früheren Indios und deren Lebensweise mitgekriegt.
Vier Wochen angehängt
Ungefähr zu dieser Zeit merkte ich, daß ich nun langsam anfing, die Sprache zu verstehen und (oh Wunder!) auch schon den einen oder anderen castellanischen Satz herausbrachte, der meinen Zuhörern nicht gleich die Fragezeichen in die Augen trieb. Deshalb entschloß ich mich, an die ursprünglich geplanten zwei Monate noch weitere vier Wochen anzuhängen, was zum Glück auch ohne Probleme und mit Hilfe meiner Betreuerin vom Deutsch-Chilenischen Bund, die die Umbuchung des Rückflugtickets für mich übernahm, möglich war.
Eigentlich finde ich, daß drei Monate hier immer noch viel zu kurz waren, denn wer einmal die lateinamerikanische Art zu leben kennengelernt hat, der ich süchtig danach.
Ich kann von diesem Austausch nur Positives berichten und möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Leuten in Deutschland und Chile bedanken, die am Gelingen meiner Reise beteiligt waren. Das Land, die Menschen und ihre Art, das Leben zu genießen, haben mich so tief beeindruckt, daß ich bestimmt nicht zum letzten Mal hier war.
Manuel Prando
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