Ein Jahr lang die Schule in Chile besucht / VDA vermittelte Gastfamilien
Unsere Familie hatte durch den VDA von 1996 bis 2002 bereits vier Gastkinder aufgenommen, zwei davon aus Chile. Seit der 9. Klasse nahm ich an unserem Gymnasium am Spanischunterricht teil. Meine Schwester Anne war 1996 zu einem zweimonatigen Gegenbesuch bei unserem ersten Gastkind aus Chile, Carolina Vergara Zuníga in Chillán, gewesen. Was lag also näher als die Idee, daß ich das 11. Schuljahr vollständig in Chile verbringen könnte? Meine Mutter und ich haben mit dem VDA gesprochen, ob dies machbar wäre. Meine Mutter erklärte sich bereit, auch in meiner Abwesenheit wieder einen Jungen aus Chile aufzunehmen, so daß nach einigen Gesprächen klar war, daß ich gehen könnte. Ich würde in drei verschiedenen Gastfamilien wohnen, jeweils ungefähr drei Monate.
Anfang September 2002 flog ich über Frankfurt und Buenos Aires nach Santiago de Chile. Dort wurde ich abgeholt und in meine erste Gastfamilie begleitet - Familie Schürmann. Sie bewohnt ein selbst gebautes Holzhaus ein bißchen außerhalb von Concepción am Ufer des Flusses Bio Bio. Die Familie hat vier Kinder - Carla, Richard, Gerhard und Lorena. Carla lebt und arbeitet in Santiago, Richard studiert in Berlin, Gerhard und Lorena gehen auf das Colegio Aleman, die Deutsche Schule in Concepción. Das Colegio Aleman sollte für dieses Schuljahr auch meine Schule werden.
Die Umstellung auf den Schulalltag dort war nicht sehr groß, allerdings mußte ich jeden Tag eine Stunde länger in der Schule bleiben als in meinem Gymnasium zu Hause und Pausen gab es nur alle 90 Minuten. Von September bis zu Beginn der Sommerferien besuchte ich die Klasse 3MA zusammen mit meinem Gastbruder Gerhard. Ich nahm an allen Unterrichtsfächern teil, die auch auf Gerhards Stundenplan standen. Natürlich verstand ich am Anfang nicht sehr viel und ein Großteil der Gespräche, auch des Unterrichts rauschte einfach nur an mir vorbei. Aber Marta und Richard, meine Gasteltern, haben sich sehr viel Zeit genommen, sich mit mir zu unterhalten und mir geholfen, Spanisch besser zu verstehen.
Ein absoluter Höhepunkt im Herbst 2002 war für mich die Gira, eine Studienfahrt, die jedes Jahr von Schülern der 3M durchgeführt wird. Wir hatten von dieser Fahrt schon gehört und weil alle Teilnehmer so begeistert gewesen waren, schenk ten meine Eltern mir diese Fahrt als vorfristiges Weihnachtsgeschenk. Wir flogen in den hohen Norden von Chile und folgten dem Camino del Sol. Wir besuchten die Städte Arica und Iquique, waren in der Wüste Atacama, fuhren zum Valle de la Luna (Mondtal). An einem Morgen fuhren wir zu den Geysiren und hatten sogar unser Frühstück dort. Frühstückseier in Geysirwasser gekocht - mal was anderes.
Zu Beginn der Weihnachtsferien wechselte ich in meine zweite Gastfamilie, wo ich den Hauptteil der Sommerferien verbrachte. Sommerferien von Mitte Dezember bis Anfang März - wenn in Deutschland alle in den Häusern sind, es regnet und kalt ist. Im Februar besuchte mich meine Mutter für zwei Wochen. Sie war natürlich auch neugierig auf dieses Land und die Menschen, von denen sie schon so viel gehört hatte. Wir verbrachten jeweils einige Tage in meinen bisherigen Gastfamilien, bei Freunden und meiner dritten Gastfamilie Villegas Barra, deren Sohn Jose Javier genau zu der Zeit bei meiner Mutter in Deutschland wohnte.
Wir besuchten auch Familie Vergara in Chillán, mit deren Tochter Carolina ja unsere Beziehung zum VDA und Chile angefangen hatte. Während ich in Chile war, lebte die jüngste Tochter von Familie Vergara, Paulina, in Dehmen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Güstrow. Paulina und meine Schwester Anne, die sich seit 1997 nicht gesehen hatten, trafen sich oft und unternahmen viel zusammen. Durch den Besuch von mir und meiner Mutter bei Vergaras kannten sich nun die gesamten Familien. Sonia und Rafael, die Eltern, sind einfach supernett, unheimlich gastfreundlich und haben mich auch bei späteren Besuchen im Frühjahr, bei denen ich auch einige Tage in die Deutsche Schule Chillán ging, herumgefahren, mir vieles gezeigt und erklärt. Carolina habe ich während des Jahres des öfteren getroffen. Sie studiert an der Universidad Concepción und wird Ärztin, ihr Bruder Rafael wird Pilot.
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