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Chile – dieses schmale Land an der Westküste Lateinamerikas sagte mir bis vor einem Jahr noch gar nichts. Warum ich mich dafür entschied, gerade in dieses Land zu fahren, kann ich nicht sagen. Spanisch lernte ich erst seit wenigen Monaten und auch über Chile wusste ich nicht viel mehr als die geographische Lage. Es war wohl eine Mischung aus Neugier, Abenteuerlust, Zufall und Bauchgefühl, aber insgesamt auf jeden Fall die beste Entscheidung meines Lebens.
Als ich während dem Hinflug die ersten Chilenen untereinander reden hörte, wurde mir schnell klar, dass ich mit meinen Spanischkenntnissen noch nicht sehr weit kommen würde, doch nun war ich im Flieger und es gab kein Entkommen mehr. In Santiago wurden wir dann endlich von unseren Gastfamilien abgeholt und ich war froh, dass meine Gastfamilie direkt in Santiago wohnt und ich somit keine noch längere Reise vor mir hatte.
Die ersten Tage waren für mich ein reines Abenteuer, da so ziemlich alles anders ist als in Deutschland.
In der Schule wurden mir viele Fragen gestellt, ich wurde in den Schulalltag miteinbezogen und alle haben sich um mich gekümmert. In den ersten Tagen habe ich im Unterricht ziemlich wenig verstanden, was sich aber schnell gelegt hat.
Ich wurde von Anfang an zu Partys eingeladen und so behandelt, als ob ich schon immer dazu gehört habe. Da ich nicht mit meiner Gastschwester Karla in einer Klasse war, war ich anfangs ganz auf mich alleine gestellt und die Aufgabe, Kontakte zu knüpfen und mich in der Situation zurechtzufinden, lag ganz allein in meinen Händen.
Nicht nur in meiner Klasse, sondern auch in meiner Gastfamilie kümmerten sich alle rührend um mich. Meine Gastfamilie bestand nur aus meiner Gastschwester und ihrer Mutter. Da ich zu Hause 3 Geschwister habe und bei uns immer etwas los ist, war es anfangs für mich etwas schwer, mich an die Ruhe zu gewöhnen und auch daran, dass man öfter mal alleine Zuhause ist. Aber auch daran gewöhnt man sich, genauso wie auch an die Familiensonntage. Zunächst habe ich diese als etwas langweilig empfunden und hätte manchmal vielleicht lieber etwas anderes unternommen, je länger ich jedoch da war, umso lustiger wurde es und ich wollte diese Familientage nicht mehr missen. Besonders zu meiner süßen Gastoma habe ich noch ein richtig gutes Verhältnis aufgebaut.
In den 3 Wochen, die ich Winterferien hatte, bin ich mit meiner Gastschwester und einem Freund in den Norden gefahren. Wir sind eines Tages einfach losgefahren, ohne einen konkreten Plan zu haben, was wir in den nächsten 2 Wochen alles sehen wollen. Unser erstes Ziel war das knapp 22 Stunden entfernte Iquique. Dort haben wir mehrere Touren durch die Wüste gemacht und waren unter anderem auch auf einem chilenischen Fest – „La Tirana“ und in mehreren Oasen. Am eindrucksvollsten fand ich jedoch San Pedro de Atacama – eine Oase mitten in der trockensten Wüste der Welt. Ich habe mich gefühlt wie in einem Traum und hätte am liebsten die Zeit angehalten. Ich hätte mir nie im Leben träumen lassen, dass ich jemals die Wüste mit Fahrrädern unsicher machen würde oder Sandboard fahren würde.
Auch hier haben wir an mehreren verschiedenen Touren teilgenommen, unter anderem ins Valle de la Muerte und zu dem Salar de Atacama.
Unsere nächsten Ziele waren La Serena und Valle Elqui. Als wir dort ankamen, dachte ich, ich traue meinen Augen nicht. Wenige Stunden zuvor waren wir noch in der Wüste und nun in einem fruchtbaren Tal, in dem die aromatischsten Tafeltrauben Chiles gedeihen.
Die Tage dort verbrachten wir etwas ruhiger, da auch das Wetter nicht so gut war.
In Santiago angekommen, blieben mir nur noch knapp 3 Wochen bis zu meiner Abreise. Ich versuchte, die Zeit so intensiv wie möglich zu genießen und noch viel zu erleben.
Besonders angetan hat es mir das Zentrum von Santiago. Auch wenn mir jeder gesagt hat, ich solle dort nicht alleine hinfahren und erst Recht nicht als Mädchen, wollte ich es mir trotzdem nicht ausreden lassen. Beim ersten Mal alleine im Zentrum, das als sehr gefährlich gilt, war mir schon etwas mulmig zu Mute. Aber das Essen in einem Zentralmarkt und die vielen Sehenswürdigkeiten wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und man glaubt es kaum, aber mitten in Santiago habe ich einen alten Chilenen getroffen, der mal in meiner kleinen Heimatstadt Delmenhorst gewohnt hat und nun ein Restaurant in dem Zentralmarkt besitzt – wie klein die Welt doch ist!!!
Je näher der Tag des Abschieds kam, umso trauriger wurde ich. Es ist mir so schwer gefallen, meine zweite Familie, meine neu gewonnen Freunde und auch das Land, das für 2 Monate meine Heimat war, zu verlassen.
Nach einem langen, tränenreichen Abschied saß ich dann im Flugzeug und fing schon an, meinen nächsten Chileaufenthalt zu planen.
Die Menschen, die Kultur und das Zusammenleben haben mich beeindruckt und mir sehr gefallen. Noch nie zuvor wurde ich von Menschen mit so viel Herzlichkeit und Wärme empfangen.
Mir persönlich hat der Schüleraustausch auch geholfen, noch selbstbewusster und vor allem selbstständiger zu werden und Probleme alleine zu bewältigen.
Marina

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