Langsam rollte unser Flugzeug auf seine Startposition und ich saß aufgeregt in meinem Sessel. "Hoffentlich klappt alles und ich erreiche meine Anschlussflüge", konnte ich nur noch denken als die  Maschine schneller und schneller wurde und plötzlich steil in den Himmel stieg.

Ich war gespannt, was mich erwarten würde, denn aus den Erzählungen meines Bruders, der im letzten Jahr in El Salvador zum Schüleraustausch weilte, wußte ich schon viel über Land und Leute.

Stunden später begrüßten mich Benjamin und seine Familie am Flughafen so herzlich wie ein lang vermisstes Familienmitglied. Bevor wir mein "neues Heim auf Zeit" erreichten, hieß es bei einem kurzen Zwischenstopp Pupusas, eine landestypische Spezialität zu probieren. Ich kann nur sagen: Einfach lecker!

Ich fand es toll, wie schnell und herzlich ich in die Familie von Benjamin integriert wurde. Gleich am nächsten Tag besichtigten wir die Schule, spielten gemeinsam Fußball, ich wurde ins Fitnesscenter mitgenommen und erhielt meine erste Trainingseinheit. " Ich bin bestimmt morgen tot oder so vor Schmerzen", waren an diesem Tag meine letzten Überlegungen.

Am ersten Wochenende, nach einer ausgedehnten Einkaufstour - mit Jungs als Modeberatern - fuhren wir mit der ganzen Familie und Benjamins Freunden nach Apaneca. "Canopy" stand auf dem Plan. Es war ein aufregendes Erlebnis, nur mit einem Seil gesichert, über einen Abgrund zu schweben und dabei die fantastische Landschaft zu bewundern.

Unserem ersten Familienausflug folgten noch viele weitere. Wir waren gemeinsam in Panchimalco am "Tor des Teufels", haben den Santa Anna besichtigt und viele Tage am Meer verbracht. Zum Schlafen kam ich kaum, denn auch mit Benjamins Freunden wurde viel unternommen: Konzert- und Kinobesuche, Partys, sportliche Aktivitäten.

Interessant, anstrengend aber auch schön war der Schulbeginn an der Deutschen Schule am 13. August. Die Anforderungen, die an die Schüler gestellt werden sind sehr hoch und ich staune immer wieder, mit welcher Begeisterung sie lernen. Schule ist hier ganz anders als in Deutschland.

Meine Klassenkameraden sind alle sehr nett und wir haben sehr viel Spass miteinander. Ein besonderer Höhepunkt wird die Fahrt unserer 11. Klassen nach Copan in Honduras vom 5. bis 7. September sein. Wir werden dort eine alte Maya-Stadt besichtigen.

In der Schule hatte ich dann auch endlich Gelegenheit Daniel zu treffen. Er war unser Gastschüler von September 2006 bis Januar 2007. Es war einfach toll, ihn nach mehr als anderthalb Jahren zu sehen, mit ihm zu sprechen, Erinnerungen auszutauschen und zu merken, dass wir uns genauso gut verstanden wie in Deutschland. Da in der Schule die Pausen immer zu kurz sind, um über alles zu reden, verbrachte ich auf Einladung von Familie Urrutia einen wunderschönen Sonntag mit ihnen in ihrem Strandhaus. Bei Strandspaziergängen, Einsiedlerkrebsbeobachtungen, faulen Stunden in der Hängematte, am Strand und im Pool vergingen die Stunden rasend schnell.

Leider geht  mein Aufenthalt bei der Familie Perez und in El Salvador bald zu Ende. Ich darf noch garnicht daran denken. Ich lasse hier viele gute Freunde zurück, weiß aber, dass es auf jeden Fall ein Wiedersehen geben wird und wir bis dahin in Verbindung bleiben.

   

  











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